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Adieu O zarte Jungfrawschafft.


um 1600


Adieu O zarte Jungfrawschafft.

Als gestern Venus sich mit Weine wohl bewirth
In diesem Danse sich sie gantz und gar verirrt
     In eine Kammer kam und da so sanffte schlieffe
     biß daß Cupido jr ich weiß warumb nit rieffe.
Als sie die Braut im Bett und Breutigam gesehn,
Verwundert sie sich sehr: was muß doch da vorgehn?
     Sich bey ihr Eyffer-neid damals bald hat gemänget,
     Der in der Liebe sich als in eim Zunder fänget.
Jedoch als sie bedacht daß diß der Liebe Preiß
Die Gürtel sie alsbald an jhrem Leib abreiß,
     Und weists dem Breutigam wie er es solte machen,
     Der schon erfahren waren in solchen Kinder-sachen.
Drumb fieng sie an und sagt, doch mir mit halben Mund,
Ach, Jungfraw Braut, jtzt gehts! ach in der halben Stund,
     Seyd jr selbst ohn euch selbsten, jr spannew heut ein Weib
     Wie? wo? was wird geschehen nun ewrem zarten Leib.
Ihr in Gedancken noch-Jungfraw seht dieser Schmauß
Beweist daß es nun ist mit der Jungfrawschafft auß,
     Ihr Dahmen wolt jrs leiden, sie wil noch Jungfraw seyn,
     Und läßt in ihrem Schoße den Breutgam schlaffen ein.
Ihr gestern-Junfraw hört, wie war es in der Nacht,
Da jhr wacht, Amor lacht, der zarte Hymen kracht,
     Gewiß die Venus selbst, damal war so verliebet
     Wer Mars bey jhr gewest, sie het es auch geübet,
Cupido auch sich schwang in seiner Psyche schoß
Und erstlich alle Pfeil umb sich herumb ließ loß,
     Wie fieng zu schreyen an die Jungfrawschafft, sich sehnet
     Nach sich, und doch nit recht, auß lust sich nur bethränet,
Ihr nimmer Jungfraw, ihr, ihr nunmehr-Jungefraw,
Heut habt jhr ja gewacht, was fiel doch für ein Thaw?
     Ich denck der Liebesthaw wird euch so fruchtbar machen
     Wenn der Mond neunmal voll, jhr werden dreye lachen
Nun liebt, lebt, ringt, gewinnt, spielt auß und ein, offt lacht,
Wenn das Spiel ist gespielt, erwiesen Liebes Macht,
     So wird man sagen denn zu der die da wird siegen,
     Es ist geschehen, kaufft, kauft, Mutter, kaufft die Wiegen.
Ob aber unterhielt euch fürstlich Jung(E)fraw Braut,
Herr Breutigam die Nacht, Es doch nur uns vertraut,
     Es sol verschwiegen seyn, als wie da Venus lage
     Bey Mars, es Phoebus wiß am hellen liechten Tage.
Ach hört doch, hört, wie sich die Jungfrawschafft beklaget,
Umb daß sie diese Todt nicht lange schon gewaget,
     Doch diese Nacht wol weiß, wenn sie es könte sagen,
     Was sich bey jhrem Streit und Sterben zugetragen,
Ich, schrye die Jungfrawschafft, bin nun des Lebens loß,
Je wer gab mir doch, Ach! den bitter-süssen Stoß?
     Ir Dahmen folgt meim Rath, last euch ja balde weiben,
     Unmüglich ists daß jr diß Jahr könt Jungfrawn bleiben!


Die Jungfrawschafft.




<em>Adieu</em> O zarte Jungfrawschafft.