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Joachim Rachel – Verkehrtes Weiber-Lob.     Zur Biographie


aus: Joachim Rachel, Satyrische Gedichte, nach den Ausgaben von 1664 und 1677, herausgegeben von Karl Drescher, Verlag von Max Niemeyer, Halle a. d. S., 1903, S. 144-147.


Joachimi Rachelii Londinensis, Teutsche Satyrische Gedichte, bey Egidio Vogeln getruckt, Franckfurt, 1664

Joachim Rachel - Verkehrtes Weiber-Lob.       Joachim Rachel - Verkehrtes Weiber-Lob.


Verkehrtes Weiber-Lob.

1.

Es sind die Weiber, die wir lieben,
Nicht einer Nadelspitzen werth,
Man findet unter zehnmal sieben
Kaum eine, die uns recht beehrt.
Sie dienen nur zu Possen spielen
Und vor den blossen Müssiggang,
Als wie die kalten Federkielen,
Sonst wär uns Zeit und Weile lang.

2.

Die alten Lumpen kan man stossen,
So kriegt man doch Papier daraus;
Bey Weibern schlägt man einen blossen,
Sie dienen nicht für eine Lauß.
Sie sind wie rechte Beutelschneider,
Ihr freundlich thun ist wie ein Glaß,
Sie stecken sich in schöne Kleider,
Am Leibe sehn sie wie ein Aaß.

3.

Es hat sie Jupiter aus Rache,
Den Männern erst zur Straff erdacht.
Sie waren ärger als der Drache,
Nachdem er sie zur Welt gebracht,
Er nahm ein Muster von den Thieren,
Darnach er diese Käffer schuff,
Sie lassen sich nicht ausstudieren
Und kommen leichtlich in Veruff.

4.

Der ersten stößt er das Geblüthe
Von einer Gerber-Sauen ein,
Die ist von Sitten und Gemüthe,
Ein garstigs ungeschlachtes Schwein,
Ein recht Geschwüre dieser Erden,
Ein Scheusal aller Heßlichkeit,
Ein Unflat aller Ungeberden,
Der jederman entgegen speyt.

5.

Der andern hat er das Gehirne,
Von einem fuchse beygebracht,
Und diese schreibt es an die Stirne,
Wie klug sie alles ausgedacht.
Die sieben Weisen bey den Griechen,
Sind lauter Narren gegen sie,
Apollo muß sich selbst verkriechen,
Sie ist und bleibt die Klügste die.

6.

Der dritten gab er von dem Hunde,
Gar einen schlechten Unterscheid,
Sie führt gar scharffe Zähn im Munde,
Und kläft und beist und keufft und schreyt.
Mit keuffen saltzt sie ihren Bissen,
Mit keuffen würtzt sie ihren Tranck.
Durch keuffen leert sie ihr Gewissen,
Und keuffen ist ihr Lob-Gesang.

7.

Die vierte schuff er aus der Erden,
Ein faules ungelencktes Thier,
Sie kan zu nichts gebrauchet werden,
Und will doch überall herfür.
Im Sommer sitzt sie bey dem Zofen
Und beißt die armen Fenster aus,
Im Winter setzt sie sich zum Ofen
Und hält mit Feuerpfannen Hauß.

8.

Die fünffte schuff er aus dem Meere,
Und die ist wie der Unverstand,
Wenn gleich was gutes an ihr wäre,
Sie kehrt sich umb wie eine Hand.
Man kan sich nicht wohl vor sie hüten,
Bald steht sie wie ein Engel aus,
Bald hebt der Teufel an zu wüten,
Und überschnarcht das gantze Hauß.

9.

Der sechsten senckt er das Geblüthe,
Von einem starken Esel ein,
Die thut gar nichts nicht in der Güte,
Sie will und muß geschlagen seyn.
Sie ist darneben geil und hitzig,
Verhuhrt, begierig und doch faul,
Auf lose Händel klug und witzig
Sonst wie ein dummer Karren-Gaul.

10.

Nechst dieser hat er von den Pferden
Ein stoltzes Weib zur Welt gebracht,
Und die muß wohl gezäumet werden,
Sonst wirst du von ihr ausgelacht.
Sie reckt sich in dem Krausen-Haare,
Greifft weder Topff noch Tiegel an,
Sie weiß sich viel mit ihrer Wahre,
Und schmiegelt sich als wie ein Schwan.

11.

Die achte wird aus einem Affen
An dieses Tage-Licht gebracht,
Drumb ist sie auch also beschaffen,
Daß jederman darüber lacht.
Sie ist der Unzucht sehr ergeben,
Bißweilen auch der Hexerey,
Sonst aber ist ihr gantzes Leben
So viel als eine Phantasey.

12.

Die neundte wird aus einer Biene
Gebildet und zur Welt gebracht,
Sie ist wie eine Mulusine,
Die ihren Liebsten fröhlich macht.
Sie ist nicht klätzschigt, nicht verlogen,
Nicht unkeusch, auch nicht ungeschickt,
Sie ist zur Häuslichkeit erzogen,
Spinnt, nehet, sudelt, stickt und flickt.

13.

Und diese letzte möcht ich haben,
Die stünde mir noch etwan an,
Die andern ließ ich Rübchen schaben,
Sie wären bey mir ausgethan.
Ich wolte mich wohl nicht beweiben,
Es ist auch keine meiner werth,
So kan ich nicht mit frieden bleiben,
Es hat mich manche schon begehrt.




Theobald Kerner - Die Dichterin.
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