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Ernst von Wolzogen – Madame Adèle.     Zur Biographie


aus: Zeitschrift Simplicissimus, Jahrg. 5 Heft 8, 15. Mai 1900, Albert Langen Verlag, München, 1900, S. 68.

Zeichnung von Ferdinand Freiherr v. Reznicek.



Madame Adèle.

Ein Brettsang von Ernst von Wolzogen

Je suis Adèle, la reine blonde –
On me connait, messieurs, parbleu!
Je suis la reine, la reine, la reine du Demimonde –
Adèle est là – faites votre jeu!

Oje, o ji! – hab' nur ka Angst –
Ich sing' auch deutsch, wennst d' es verlangst.
Denn mein Franzö'sch g'langt nur – o je!
Zum Hausgebrauch fürs Variété. –
Ein Franzos' ist nur mein Schneider –
Echt Paris sind diese Kleider –
Und drunter das ist auch kein Quark:
C'est un jupon pour achzig Mark,
Die seid'nen Strümpf' kriegst schon für acht – –
           Trulala!
Was glauben Sie, wie das glücklich macht!


Nicht immer wühlt' ich so in Spitzen,
Einst trug ich Barchent und Flanell,
Ich mußte tipptipptipp an der Maschine sitzen,
Und auch die Feder führt' ich schnell.
Ole, oli – 's war wenig da –
Und ein Korsett verbot Mama;
Doch unverfälscht und g'sund dazu,
Wie warme Milch, frisch von der Kuh.
Abends kriegt ich Käs und Rettich,
Und dann kroch fein satt ins Bett ich.
Jetzt – jede Nacht im separé
Mit feschen Herren ein souper – – –
Da schleck' ich, bis das Mieder kracht –
           Trulala!
Was glauben Sie, wie das glücklich macht!


Der Erste nahm sich nicht das Leben,
Als ich zum Zweiten mich gewandt –
Er hieß mich schleunigst nur die Trepp' hinunterschweben –
Worauf er aus der Stadt verschwand.
Trali! Trala! 's ist lang schon her,
Bin längst kein dummes Mädel mehr.
Ich fahr' zum Rennen Viere lang
Und hab' mein Conto bei der Bank!
Flog ins Licht als graue Motte
Doch jetzt bin ich grande Cocotte!
Je m'en fiche de tout ce que m'accuse!
Hein, messieurs, je vous amuse?
Vlan les volants! He! Kreischt und lacht!
           Trulala!
Was glauben Sie, wie das glücklich macht!




Ernst von Wolzogen - Madame Adèle.