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Clara Zetkin – Der Student und das Weib

Essay

Clara Zetkin, Der Student und das Weib, Verlag der Sozialistische Monatshefte, Berlin, 1899

Durch unsere Zeit rauscht die Fluthwelle einer gewaltigen Sehnsucht, der Sehnsucht nach dem Erblühen und Ausleben der freien, starken Persönlichkeit. Es kämpft der Mensch für die Erringung seines freien Menschenthums. Diese Fluthwelle der großen Sehnsucht hat mit unwiderstehlicher Gewalt auch das weibliche Geschlecht ergriffen. Später als der Mann ist das Weib zum Bewußtsein seiner Persönlichkeit erwacht. Erklärlich genug. Die Frau war durch ihre Existenzbedingungen länger als der Mann an eine Gemeinsamkeit gebunden, an die Familie. Innerhalb dieser Gemeinsamkeit aber fand sie nicht blos des Lebens Unterhalt, sondern auch des Lebens Inhalt. In der Folge mußte sie sich länger in erste Linie nur als Mitglied einer Gemeinsamkeit fühlen und nicht als Persönlichkeit.

In unseren Tagen ist dem anders geworden. Die wirthschaftstechnischen Umwälzungen lösen die Frau mit ihrem Thun und Sein mehr und mehr von der Gemeinsamkeit der Familie los und drängen sie zum Kampf ums Dasein in die Welt. Mehr und mehr lernt sie nun dort sich als eigene Persönlichkeit finden. In schweren Konflikten des Geistes, des Herzens, der Pflichten fragt sie sich: Wer bin ich? Was vermag ich? Was soll ich?

Die moderne Frauenbewegung ist nach ihrer ethisch-psychologischen Seite hin der Ausdruck für das Ringen der Frau nach der Entfaltung und dem Ausleben der Persönlichkeit. Naturgemäß mußte diese Bewegung einsetzen mit einer Rebellion, einem Auflehnen gegen die Gemeinsamkeit, als deren Glied die Frau vor allem in Betracht kam, mit der Rebellion gegen die Familie. Im Zeichen der Unterordnung unter die Familie hatte die Entwickelung und das Leben der Frau bisher gestanden. Loslösung der Frau von der Familie war deshalb die Grundlage für die soziale Umwerthung der Frau, für ihr Gewerthetsein als freie Persönlichkeit.

In dem Kampf für dieses Ziel waren die Einseitigkeiten hüben wie drüben unvermeidlich. Die Hüter der alten Tradition wollten in der Frau das Nur-Weib gelten lassen. Alles Menschliche in ihr sollte dem Nur-Weiblichen untergeordnet sein und bleiben, sollte mit Rücksicht auf »weibliche Eigenart« und »weibliche Sonderaufgaben« verkümmern. Die Trägerinnen der Frauenbewegung stellten dem Ideal ihrer Gegner von der Frau als Nur-Weib das Ideal der Frau als Nur-Mensch entgegen. Den einseitigsten Frauenrechtlerinnen nach mußte das Weib in der Frau unterdrückt. mußte es ertödtet werden, damit der Mensch in ihr leben könne. In vielen frauenrechtlerischen Erzeugnissen spukt als verherrlichter Typus der »neuen Frau« ein groteskes, geschlechtsloses Geschöpf, eine auf zwei Beine gestellte unwahre Abstraktion ungeschlechtlicher Menschlichkeit, die »neue Eva«, die alles Weibliche als menschlich minderwerthig und unwerth verachtet, alle weiblichen Sonderaufgaben als erniedrigend zurückweist und einzig nach einem Ausleben als Nur-Mensch strebt.

Die Frauenbewegung hat bereits aus sich selbst heraus die unausbleibliche Reaktion gegen solche Einseitigkeit und Beschränktheit erzeugt. Zunächst eine grobe, über das Ziel hinausschießende Reaktion, aber doch im Grunde eine gesunde Reaktion. Laura Marholm stellte dem frauenrechtlerischen Ideal ihr »Weib-Ich« entgegen, richtiger das Nichts-als-Weiblichen, die Reduktion aller weiblichen Eigenart auf die grobsinnliche »Lebenswurzel« des Geschlechtlichen, das Geschlechtliche einseitig als blos Sinnliches, Fleischliches erfaßt. Aber neben diese einseitig brutale Auffassung von der Weibnatur tritt allmählich eine richtigere Würdigung der geistigen weiblichen Eigenart. Ansätze dazu sind besonders bei Ellen Key vorhanden.

Gewiß muß die Frauenbewegung im Kampfe mit ihren Gegnern hervorheben, daß die Frau ein Mensch ist, aber sie muß ebenso von der Erkenntniß getragen sein, daß die Frau ein weiblicher Mensch ist. Das klingt trivial, muß aber betont werden gegenüber den verschiedenen Einseitigkeiten. Die Individualität der Frau vermag sich weder als Nur-Weib, noch als Nur-Mensch voll zu entwickeln und das Höchste zu leisten. Menschliches und Weibliches in der Frau müssen sich in Harmonie neben- und miteinander entwickeln und ausleben können. Die Verkümmerung des rein Menschlichen rächt sich an der Entwickelung des Weiblichen und läßt es zum Weibischen entarten. Die Ertödtung des wahrhaft Weiblichen wirkt hemmend auf die Entfaltung des Menschlichen zurück, führt zu seiner Ausartung ins Männische. Als Mensch wird sicherlich im Allgemeinen mit voller, reifer Kraft die Frau geben, die Liebesglück genossen hat, das Beste ihres Seins und Strebens, des Seins und Strebens eines geliebten Gatten in gesunden Kindern heran wachsen und über sich selbst hinauswachsen sieht. Als Weib wird die Frau das Höchste leisten, die als voll erblühter Mensch auch im Leben außerhalb des Hauses daheim ist, kraftvoll entfaltetes Menschenthum ihren Kindern als kostbarstes Erbtheil zubringt, im Familienkreise als belebende, vorwärts drängende Macht betätigt. Das Ziel der Frauenbewegung ist durchaus nicht das Mannweib. Sie erstrebt nicht, daß die Frau zum Affen des Mannes werde, ihn abguckt, »wie er sich räuspert, und wie er spuckt«. Sie kämpft vielmehr für die soziale Bewegungsfreiheit, welche die Entwickelung der Frau als eines weiblichen Vollmenschen verbürgt.

Die Litteratur zeigt uns kein Bild der idealen »neuen Frau«, der Frau, die ein weiblicher Vollmensch ist. Die geschilderten »modernen« Frauengestalten weisen nur einzelne Züge auf, Züge, die obendrein oft schief erfaßt, durch die Brille des einen oder anderen Vorurtheils gesehen sind. Erklärlich genug. Es mangeln noch die sozialen Vorbedingungen dafür, daß die Frau als weiblicher Vollmensch sich zu entwickeln und auszuleben vermag. Was die Gegenwart uns zeigt, ist unvollkommenes Stückwerk. Die Typen der »neuen Frau« in der amerikanischen und englischen Frauenrechtsliteratur insbesondere, die fast ausnahmslos grausame Attentate gegen jedes künstlerische Empfinden sind, haben viel zu einer falschen Bewerthung der Frauenbewegung beigetragen. Der relativ vollendetste Typus der »neuen Frau« tritt uns in der russischen Literatur entgegen. In Folge eines Zusammenwirkens verschiedener geschichtlicher Umstände hat sich in dem Milieu der russischen »revolutionären Intelligenz« vom Ende der 60er bis Mitte der 80er Jahre die weibliche Individualität freier, starker und vielseitiger entfalten und ausleben können, als sonstwo.

In dem Ringen für die Entwickelung und Bethätigung ihrer Persönlichkeit wird aber die Frau zu einem sozialen Kampfe gedrängt. Auch bezüglich der Entwickelungsmöglichkeit der Individualität gilt das Wort:

 

»Leicht beieinander wohnen die Gedanken,
Doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.«

 

Die Persönlichkeit entwickelt sich, lebt und webt inmitten bestimmter sozialer Verhältnisse, deren Bann nur vereinzelte Kraftnaturen zu brechen vermögen. Mag die Unrast in der fragenden, suchenden Frauenseele noch so hohe Wogen treiben; mag das Drängen und Streben nach freiem, weiblichen Vollmenschenthum ein noch so glühendes sein: Die Macht des Sehnens und Wollens bricht sich für die meisten Frauen an den sozialen Schranken, welche heute noch weiblicher Entwickelung und weiblichem Wirken gezogen sind. Diese Schranken gilt es zu schleifen, soll die Frau Entwicklungs- und Bewegungsfreiheit für ihr Vollmenschenthum erringen. Jede ernste Frauenbewegung muß deshalb soziale Kampfesbewegung sein. Während die proletarische Frauenbewegung in erster Linie zum Klassenkampf gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung gezwungen ist, muß die bürgerliche Frauenbewegung einen Klassenkampf führen gegen die sozialen Vorrechte und die soziale Herrscherstellung des männlichen Geschlechts. Denn die soziale Unterbürtigkeit des weiblichen Geschlechts ist es, welche der bürgerlichen Frau die Freiheit der Entwickelung und des Auslebens verwehrt. Der Proletarierin dagegen wird ihr freies Menschenthum durch die Klassenherrschaft der Bourgeoisie vorenthalten, durch die Ausbeutung und soziale Unterbürtigkeit, welche auf der Arbeiterklasse lasten. Wohl bedarf auch die Proletarierin der sozialen Gleichberechtigung als Geschlechtswesen, aber vor allem zu dem Zwecke, mit aller Wucht gegen die kapitalistische Ordnung kämpfen zu können. Ihre soziale Befreiung erringt sie nicht wie die bürgerliche Frau und zusammen mit ihr im Kampfe gegen den Mann ihrer Klasse, sie erobert sie vielmehr zusammen mit dem Mann ihrer Klasse im Kampfe gegen die sogenannte bürgerliche Gesellschaft, das Gros der Damen der Bourgeoisie davon nicht ausgenommen.

Zwei Forderungen stehen im Mittelpunkt der frauenrechtlerischen Kampfziele: die Forderung: freie Bildung und Berufstätigkeit; und die andere: volle politische Gleichberechtigung. Die freie Berufsthätigkeit ist die Grundlage für die wirthschaftliche Unabhängigkeit der Frau vom Manne und der Familie; sie ist mithin die Grundlage für die soziale Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts. Die politische Gleichberechtigung der Frau ist das Mittel auf dem Wege der Gesetzgebung alle sozialen Schranken zu beseitigen, welche zu Gunsten der Herrscherstellung des Mannes die weibliche Entwickelungs- und Bethätigungsfreiheit hemmen.

Wie stellt sich nun die Welt der Studirenden und Studirten zu dem Ringen der Frau um freies Vollmenschenthum, zu dem dadurch bedingten freuen rechtlerischen Kampf? Im großen Ganzen bringt sie den aufgerollten Fragen keine unbefangene, geschichtliche Würdigung entgegen. Sie beurtheilt dieselben nicht mit der sicheren Ruhe wahrer Wissenschaftlichkeit, welche die geschichtlich treibenden Kräfte erfaßt, die geschichtlichen Zusammenhänge klar sieht und in der Folge sowohl die Berechtigung, ja Nothwendigkeit einer sozialen Bewegung erkennt, wie ihren Charakter und ihr Ziel. In der Bewerthung des Strebens der Frau nach vorwärts und aufwärts, nach den sozialen Vorbedingungen der freien, starken Weibpersönlichkeit offenbart sich im Allgemeinen ein anderes: der Dünkel zünftiger Gelehrsamkeit, die Beschränktheit altersgrauen Vorurtheils; die nicht belehrt sein wollende Verständnißunsinnigkeit des Egoismus und vor allem die Konkurrenzfurcht.

In Beurtheilung der Frauenfrage erweisen sich die Gebildeten, die Studirten, denen alle Bildungsmittel zur Verfügung stehen, als weit rückständiger, zopfgeschmückter und engherziger wie die Proletarier, welche von der heutigen Gesellschaft als Arme und Ungebildete verworfen werden, die aber der Eckstein geworden sind, auf dem sich die neue, höhere soziale Ordnung aufbaut. Soweit die Arbeiterwelt klassenbewußt, geschichtlich denkt, begrüßt sie in der nach Befreiung ringenden Frau die gleichwerthige, gleichberechtigte Mitarbeiterin und Mitkämpferin auf allen Gebieten des sozialen Lebens. Die Welt der Studirenden und Studirten dagegen schließt sich gegen die bildungssehnsüchtige, nach tieferem, reicherem Lebensinhalt verlangende Frau als gegen die Konkurrentin ab; sie verurtheilt sie als Verschrobene, wohl gar moralisch Schiffbrüchige, als Pflichtvergessene, die sich über die ihr gezogenen Schranken hinwegsetzt; in ihrem Streben sieht sie eine Schädigung der Kultur und nicht eine Bereicherung derselben.

Diese rückständige, schiefe Bewerthung des Drängens in der Frauenwelt ist erklärlich genug. Sie hängt aufs innigste mit den Verhältnissen und der Denkweise der Schichten zusammen, aus denen sich die studirende Jugend vorzugsweise rekrutiert. Der Knabe erblickt in der Schwester das bekannte »Ach-nur-ein-Mädchen«, für dessen Ausbildung in der Regel nur die Brosamen übrig bleiben, die von seiner eigenen Erziehung Tische fallen. Der Jüngling lernt später das »naive« Gretchen kennen, das er andichtet, die Kellnerin und Dirne aber zum Genuß der Liebe. Ist der »Herr Doktor« irgend welcher Fakultät fertig, so zwingt ihn vielfach die Nothwendigkeit, dem Hafen einer Kauf- und Schacherehe zuzusteuern. Der Geldbeutel der Frau muß ihm das Brod sichern, das ihm das Leben und Wirken im Dienste der Wissenschaft in der heutigen Gesellschaft durchaus nicht immer giebt. Außer als Brodgeberin lernt er dann vielleicht die Frau noch als Krankenpflegerin kennen, die sich mit dem Podagra abplagen muß, das sich der Herr Gemahl im Uebermaß der jugendlichen Freuden geholt hat. Fast nie wird der junge Mann in jenen Kreisen gewöhnt, auch nur das Mädchen, die Frau seiner Klasse als gleichwerthige, gleichstrebende Kameradin und Gefährtin zu betrachten und zu achten. Die Proletarierin aber bewertet er von der Höhe seines bürgerlichen »Standesbewußtseins« herab als die geborene Arbeitssklavin, die — wenn sie jung, hübsch und willig ist — der Ehre gewürdigt wird, als »Verhältniß« Kurzweil der bürgerlichen Jugend zu schaffen, die nach der gang und gäben Auffassung nun einmal keine Tugend hat und zu haben braucht.

Zum Beweis für die rohe Auffassungsweise, die in manchen Schichten Studirender über das »Ewig Weibliche« und die Beziehungen zu ihm herrscht, ein Zeitungszitat. Es stammt nicht aus einem sozialdemokratischen Blatt, das sich »berufs- und gewerbsmäßig« der Uebertreibungen schuldig macht. Es ist aus dem »vornehmsten« konservativen Blatt entnommen, aus den Grenzboten, Jahrg. 1891, No. 26, Seite 607. Da heißt es: »Gewisse studentische Verbindungen haben wöchentlich ihren sogenannten offiziellen Geschlechtsabend, wo es nicht allein erlaubt, sondern sogar für jeden, vom jüngsten Fuchs bis zum bemoosten Haupte eine moralische Verpflichtung ist, in venere zu sündigen. Für die bemoosten Häupter giebt es oft keinen köstlicheren Spaß, als die krassen Füchse auf das »Ewig Weibliche« loszulassen, und wehe ihnen, wenn sie sich bei dieser Mensur nicht tüchtig halten oder gar Ekel zeigen wollten.« Wenn eine solche Stelle in einem sozialdemokratischen Blatte gestanden hätte — auch in der lautersten Absicht — es wäre sicherlich wegen Verletzung der Sittlichkeit und des Anstandes verdonnert worden. Kein Kadi hat den Redakteur der Grenzboten vor seinen Thron zitirt. Wir leben eben im Staat der »vollendeten Rechtsgarantien« des Herrn Grafen Posadowsky, und wenn zwei dasselbe thun, braucht es nicht dasselbe zu sein!

Doch noch eine weitere Illustration der einschlägigen Auffassung und der Zustände in den studentischen Kreisen. Im dem auf sehr eingehender, sorgsamer wissenschaftlicher Forschung beruhenden Werke des Dr. Blaschko: Syphilis und Prostitution, wird angeführt, daß die Studenten nach den Prostituirten den höchsten Satz von Geschlechtskranken stellen. Es erkrankten venerisch: bei den Prostituirten 53 Prozent; bei den Studenten 25 Prozent; bei den Kellnerinnen 13,5 Prozent; bei den Arbeitern 8 Prozent; bei den Soldaten 4,3 Prozent (a. a. O. S. 37-40). Diese Zahlen beweisen, daß Dirne und Kellnerin weibliche Typen sind, mit denen die studirende Männerwelt besonders vertraut ist. Was Wunder da, daß eine niedrige Bewerthung des weiblichen Geschlechts gang und gäbe ist?

Es fällt mir nicht ein, nach dem Muster der Sittlichkeitsprediger männlichen und weiblichen Geschlechts die Studenten wegen der angezogenen Thatsachen für eine sittlich besonders verlotterte Schichte zu halten. Verschiedene soziale Umstände wirken zusammen und treiben den Studirenden, vielfach auch noch den Studirten als Käufer auf den Prostitutionsmarkt. Von diesen Umständen greife ich dem muckerischen Gerede entgegen nur einen besonderen heraus: das niedrige geistig-sittliche Niveau des bürgerlichen Durchschnitts-Familienlebens, das an Stelle frei gewollter und getragener Selbstzucht die konventionelle Lüge und den konventionellen Zwang setzt. Das öde Banausenthum, das hier winkt, bildet kein starkes Gegengewicht gegen lockende bacchantische Lust. Nur ausnahmsweise ist Gelegenheit vorhanden zum ungezwungenen Verkehr mit jungen Mädchen, einem Verkehr, der eine starke Gemeinsamkeit des Denkens und Empfindens erzeugt, zur Grundlage von Freundschaft oder Liebe wird und über manche Versuchung hinweg hilft. Dafür sitzt in der Familie eine der widerlichsten Gestalten unserer Zeit: die Mutter, die auf den Schwiegersohnfang ausgeht und die Tochter auf die Männerjagd dressirt, allerdings auch sie vielfach eine »unschuldig Schuldige«, von der Versorgungsfrage zu ihrem gemeinen Handwerk gepeitscht.

Allerhand ideelle und sogenannte wissenschaftliche Gründe machen die Akademiker gegen die freie Berufsbildung und Berufsthätigkeit der Frau geltend. Aber weit ausschlaggebender als diese, fällt ein sehr materieller Grund ins Gewicht: die Konkurrenzfurcht. Die Herren Gelehrten bestreiten das. Auf ihren Tagungen erklären sie, daß nur die Sorge für die Entwickelung der Wissenschaft ihren Widerstand leitet. Die arme Wissenschaft, auf welch niedriges Niveau muß sie sinken, wenn das geistig minderwertige weibliche Geschlecht sich wissenschaftlich betätigt! Und die Behauptung, daß das weibliche Geschlecht wissenschaftlich nur Minderwerthiges leisten kann, ja leisten muß, wird sofort durch den »physiologischen« und den »historischen« Beweis gestützt. Diese Beweise sind sehr wenig stichhaltig.

Gewiß, das absolute Durchschnittsgewicht des Frauenhirns ist geringer als das des Männerhirns. Stellt man dagegen das relative Durchschnittsgewicht des einen und anderen fest — wie es z. B. Manouvrier-Paris, getan — so weist das weibliche Geschlecht mehr an Hirnmasse auf. Daß aber das absolute Gewicht der Hirnmasse allein nicht für die geistige Begabung ausschlaggebend ist, beweist eine Thatsache. Das Hirn einer stattlichen Reihe hervorragender Gelehrter blieb an absolutem Gewicht hinter dem Durchschnitt des Frauenhirns zurück, in einzelnen Fällen sogar recht erheblich. Nach der Theorie gewisser wohlweiser Herren kämen also diese Gelehrten ihrer geistigen Befähigung nach noch unter das weibliche Geschlecht zu stehen! Jedoch: nicht das Gewicht der Hirnmasse allein ist ausschlaggebend für die geistige Begabung. In Betracht kommen da die Windungen, das Verhältniß zwischen der weißen und grauen Substanz etc. Die Wissenschaft hat in der einschlägigen, hochbedeutsamen Frage noch nicht ihr letztes Wort gesprochen und Unanfechtbares festgestellt. Der sogenannte »physiologische Beweis« betreffs der weiblichen Veranlagung ist eine tendenziöse Voreiligkeit.

Wie aber steht es mit der Kraft des »geschichtlichen Beweises«, daß das weibliche Geschlecht bis jetzt auf künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiete nicht bahnbrechende Leistungen aufzeigen kann? Wer im Glashause sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen! Wie winzig ist nicht die Zahl der Männer, die im Reiche des Wissenschaft und Kunst Pfadfinder, Bahnbrecher, Präger neuer Werthe gewesen sind! Hunderttausende, denen alle Kultur ihrer Zeit zugänglich war, sind nichts als Kärrner geblieben, die zu thun hatten, wo die Könige bauten. Stellen Sie diese Hunderttausende der winzigen Zahl schöpferischer Genies gegenüber, und der »geschichtliche Beweis« wendet sich mit aller Schärfe auch gegen die höhere geistige Befähigung des männlichen Geschlechts. Die wenigsten der vielen Tausenden von jungen Männern, die alljährlich Universitäten, Kunstschulen etc. verlassen, bereichern durch ihr Wirken Kunst und Wissenschaft und dürfen dafür historische Bedeutung beanspruchen. Die meisten von ihnen sind nichts als mehr oder minder gewissenhafte Handwerker auf ihrem Gebiete. Für sie ist die künstlerische und wissenschaftliche Bildung ein Handwerkszeug wie ein anderes auch, ein Handwerkszeug, dessen sie sich zum Broterwerb bedienen. Ein historischer Schluß auf die geistige Befähigung der Frau kann erst gezogen werden, wenn unbeschrankte Bildungsmöglichkeit für die Gesammtheit des weiblichen Geschlechts und nicht blos für »höhere Töchter« vorhanden ist; wenn in der Frauenwelt jede Begabung sich frei zu entfalten vermag, und zwar entsprechend der weiblichen Eigenart und nicht als Abklatsch männlicher Art und Unart.

Nur die einseitigste Frauenrechtelei wird behaupten, daß zwischen der geistigen Eigenart von Frau und Mann eine mechanische Gleichheit besteht, eine Gleichheit, die sich sozusagen an der Elle abmessen läßt. Aber das Anderssein der geistigen weiblichen Eigenart ist keineswegs gleichbedeutend mit Minderwerthigsein. Es begründet mithin auch nicht den Ausschluß des weiblichen Geschlechts von höherer Bildung und Berufsthätigkeit. Gerade in Folge der geistigen Differenzierung der Geschlechter wird das Wirken der Frau nicht zur Verarmung und Einengung des wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens führen, vielmehr zu seiner Bereicherung, zu größerer Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit. Kein Geringerer als Russell Wallace hat das wiederholt betont. Deshalb Bahn frei, auf daß Frau wie Mann zu schaffen und zu leisten vermögen, ein jeder nach seiner Eigenart als Geschlecht und nach seiner Eigenart als Person; vor Allem aber nicht als der im Schatten unseres heutigen sozialen Milieus verkrüppelte Mensch, sondern als frei erblühte Vollpersönlichkeit!

Der wesentlichste Grund für den Widerstand der studirten Kreise gegen die Zulassung der Frau zu höherer Bildung und Berufsthätigkeit ist, wie bereits gesagt, die Konkurrenzfurcht. Sie ist durchaus begreiflich. Mit der steigenden Vernichtung und Bedrohung der wirthschaftlichen Selbständigkeit des Mittelstands durch das Großkapital drangen sich die Söhne der betreffenden Schichten mehr und mehr zu den gelehrten Berufen. Andererseits bedarf die kapitalistische Wirthschaft eines Proletariats der Kopfarbeit wie eines Proletariats der Handarbeit. Die kapitalistische Gesellschaft muß deshalb das Aufkommen eines geistigen Proletariats fördern. In allen kapitalistisch entwickelten Ländern läßt sich das starke Anschwellen der Zähl der Studirenden ziffernmäßig nachweisen. Und die Folge davon unter der heutigen Gesellschaftsordnung? Zunächst, daß Tausende und Tausende wissenschaftlich und künstlerisch Gebildeter nicht mehr eine wirthschaftlich unabhängige, kulturgemäße Existenz zu erringen vermögen. Sie werden zu Proletariern der Kopfarbeit, die wie die Proletarier der Handarbeit ihre Arbeitskraft und damit ihre Person verkaufen und kapitalistisch ausbeuten lassen müssen. Damit nicht genug. Wir haben heute eine Reserve-Armee der Kopfarbeiter, ein überschüssiges Bildungsproletariat, nicht etwa, weil es an zu lösenden Kulturaufgaben mangelt, sondern weil die Verwendung der vorhandenen intellektuellen Kräfte dem Kapital nicht nöthig und profittragend ist. Wie viele sind nicht derer, die »hungernd mit dem Hirn pflügen«!

Ein Beispiel zur Charakterisierung der vorliegenden Verhältnisse. Die erste Selbsteinschätzung nach Erlaß der Miquel’schen Steuerreform ergab, daß nur 10 Prozent der Berliner Aerzte ein Jahreseinkommen von 3000 Mark und darüber hatten! Im Aerztlichen Centralanzeiger von 1890 klagt ein Berliner Arzt: »Es ist bereits soweit gekommen, daß kaum ein Drittel der Aerzte von dem Verdienst lebt. Geht das so fort, so können die Herren Kollegen bald zusammentragen, um ihre armen Kollegen nicht verhungern zu lassen. ...... Ist es ideal, ....., wenn der Arzt erst reich heirathen oder den Geldbeutel schon mit in die Praxis bringen muß? .... Ist es ideal, wenn ein Mann sein ganzes Leben lang sich nähren muß von dem, was sein Vater oder Schwiegervater zusammengescharrt?«

Nicht besser liegen die Verhältnisse für die Juristen. An die langen, kostspieligen Studienjahre fügt sich die nicht kurze Wartezeit bis zum Referendar- und zum Assessorenexamen. Die Studirenden auf anderen Gebieten sind nicht günstiger daran. Der Anschluß der wissenschaftlichen und künstlerischen Studien bedeutet heute für die meisten keineswegs die Bürgschaft für eine standesgemäße Existenz, viel mehr den Anfang eines harten, bitteren Kampfes ums Dasein. In diesem Kampf muß der Mann damit rechnen, daß die Konkurrenz, ja die Schmutzkonkurrenz aus den eigenen Reihen seine Lage verschlechtert. Was Wunder da, daß er sich der Konkurrenz des weiblichen Geschlechts zu erwehren sucht?

Welche Rolle die Konkurrenzfrage für die Stellung der akademischen Welt zur Frage der höheren Berufsthätigkeit der Frau spielt, dafür zwei Thatsachen. Weder in Rußland noch in Nordamerika sind im Allgemeinen die einschlägigen Frauenforderungen von Anfang an auf einen auch nur entfernt so zähen Widerstand der Studirten und Studenten gestoßen, wie bei uns. Abgesehen von anderen geschichtlichen Umständen war ausschlaggebend dafür, daß es in beiden Ländern kein überschüssiges männliches Bildungsproletariat gab. Nach einem Artikel von Dr. Herzenstein im Wratsch von 1883, sollte es damals in Rußland nach der durchschnittlichen Zahl der Krankentage 50000 Aerzte geben. Es waren aber nur 14 000 vorhanden, das Minus betrug also 36 000. Zog man die Vertheilung der Aerzte über die verschiedenen Bevölkerungszentren in Betracht, so fehlten in Rußland 1883 sogar 50000 Aerzte. Angesichts dieser Sachlage wurde die Aerztin nicht als Konkurrentin gefürchtet, sondern als Mitarbeiterin freudig begrüßt. Zur Zeit, wo in Nordamerika die Bewegung für das Frauenstudium einsetzte, widmete sich der Mann hauptsächlich der Dollarjagd auf wirthschaftlichem Gebiete. Wissenschaft und Kunst galten für eine Art Luxus, den man dem weiblichen Geschlechte überlassen konnte. Das Eindringen der Frau in die liberalen Berufe wurde deshalb verhältnißmäßig nicht sehr kräftig bekämpft Heute beginnt sich in dieser Hinsicht hier und da ein Wandel zu vollziehen. In dem Maße, als in den Vereinigten Staaten die wirthschaftlichen Verhältnisse sich ändern, hört man die Ansicht, daß jedes Vorwärts der Frau auf dem Gebiet der höheren Berufsthätigkeit ein Rückwärts für den Mann bedeute.

Kein Zweifel, daß die bürgerliche Frauenrechtelei durch die Verwirklichung ihrer Forderung: freie Berufsthätigkeit für das weibliche Geschlecht, zu einem wirthschaftlichen Konflikt führt zwischen Männer- und Frauenarbeit. Diesen Konflikt vermag sie nicht zu lösen, umgekehrt, sie treibt ihn auf die Spitze. Ihre Kraft versagt gegenüber von Erscheinungen, die in der kapitalistischen Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft begründet sind. Das Wesen der kapitalistischen Wirthschaftsordnung bedingt, daß auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst wie dem der Industrie die Frau nicht in erster Linie als Mitarbeiterin des Mannes auftritt, die im edlen Wetteifer mit ihm das Beste zum materiellen und kulturellen Reichthum der Gesellschaft beizutragen strebt. Die berufsthätige Frau wird vielmehr durch die Kraft der ökonomischen Gesetze zur Konkurrentin und Schmutzkonkurrentin des Mannes, die seine Existenzbedingungen verschlechtert und unsicherer gestaltet. Was in dieser Hinsicht der Proletarier im Ringen ums kärgliche Brod erfährt, das erfahren Künstler und Gelehrte im Kampfe um die »standesgemäße« Existenz.

Der klassenbewußte Industriearbeiter hat trotzdem gelernt, die Frage der Frauenarbeit historisch zu erfassen und nicht unter dem engen Gesichtswinkel der Lohnfrage. Es ist Zeit, daß der Akademiker sich zu der gleichen Höhe der Auffassung durchringt, daß er aus der Noth eine Tugend macht. Denn auch er wird sich mit der Berufsthätigkeit der Frau in seiner Sphäre abfinden müssen, er mag es wollen oder nicht. Die geschichtlichen Kräfte, welche die Frau vom Hause loslösen, und sie in bürgerlichen Kreisen auf die liberale Berufsthätigkeit verweisen, ruhen und rasten nicht. Sie sitzen am Webstuhl der Zeit, wirken weiter und weiter und treiben durch den Hunger und das er wachte Persönlichkeitsbewußtsein die bürgerlichen Frauen zum Kampf für Freiheit der Bildung und der Berufsthätigkeit in die Welt der Gelehrten und Künstler. Die Familie als wirthschaftliche Einheit, als geschlossener Organismus der Produktion und Konsumtion, verfällt mit der fortschreitenden kapitalistischen Entwickelung immer mehr. Darin liegt die Bürgschaft für den endlichen Sieg der frauenrechtlerischen Forderungen. Der geschichtliche Werdegang vollzieht sich nach den ihm immanenten Gesetzen ohne Rücksicht auf Vorurtheil und verletzte Augenblicks- und Sonderinteressen. Die Gefährdung der wirthschaftlichen Interessen der studirten Männerwelt durch die Verwirklichung der frauenrechtlerischen Ziele verschwindet nur mit der kapitalistischen Gesellschaft. Denn nur die sozialistische Gesellschaft setzt an Stelle der wirthschaftlichen Konkurrenz aller gegen alle die wirthschaftliche Solidarität aller mit allen.

Abgesehen von der Konkurrenzfurcht bedingt noch ein anderer beachtenswerter Grund die Gegnerschaft der akademischen Welt gegen die Berufsthätigkeit der Frau und die Erweiterung ihres Interessen- und Wirkungsfeldes. Es ist die Rücksicht auf die Aufgaben in der Familie. Die Frau ist, wie bereits betont, nicht ein Nur-Mensch, sie ist ein weiblicher Mensch; als Mutter, als Gattin hat sie Sonderaufgaben zu erfüllen. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung macht aber in den meisten Fällen einen Konflikt zwischen Berufspflichten und Familienpflichten unvermeidlich. Bald müssen die einen, bald die anderen leiden; nur ausnahmsweis starke Frauenindividualitäten können beiden gerecht werden, und auch sie nur um den Preis einer vorzeitigen Hinopferung ihrer Kraft. Ein harmonisches Ausleben als Vollmensch wird damit der Mehrzahl der Frauen zur Unmöglichkeit.

Welch’ bittere Enttäuschung! Nicht nur um den Lebensunterhalt zu finden, greift die bürgerliche Frau zur Berufsarbeit. Sie sucht in ihr einen tieferen, reicheren Lebensinhalt. Sie flüchtet vor der Oede und Enge des Nichts-als-Aschenputtelthums zu der Berufsarbeit als einer Vorbedingung freieren, volleren Menschenthums. Heutzutage aber findet sie in ihr nur eine neue Einseitigkeit der Bethätigung an Stelle der alten Beschränkung. War sie früher die Nichts-als-Haus-frau, so wird sie nun zur Nichts-als-Berufsarbeiterin. Warum das? Weil in der kapitalistischen Gesellschaft die Arbeit nicht frei ist. Diese Unfreiheit der Arbeit bedingt, daß der Beruf nicht dem Menschen dient, sondern den Menschen beherrscht. Der liberalen Berufsthätigen fällt deshalb das gleiche Loos zu — wenn auch in milderer Form — das die industrielle Lohnsklavin traf, die in der Fabrik nicht freies Menschenthum fand, dagegen die Unterordnung ihrer Person unter die Maschine. Die Hausfrau der alten Zeit hatte sich nur in einem engen Kreise, aber hier sehr vielseitig bethätigen und ausleben können. Denn sie war der Universalhandwerker, der Universalkünstler in der Familie, als diese noch ein produzirendes Ganzes war. Die heutige Berufstätige, ganz gleich ob Kopf- oder Handarbeiterin, lebt sich in einem weiteren Kreise aus, hier aber in starrer Einseitigkeit. Die Berufsarbeit legt Beschlag auf die ganze Person, auf Menschen- und Weibthum der Frau. Die Frau strebte nach höherer Bildung und Berufsthätigkeit, verzehrt von dem glühenden Drange, »die Brüste zu fassen, an denen Himmel und Erde hängt«. Lernend und schaffend, das Erbe der Kultur vermehrend, wollte sie sich auf wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiete betätigen, sich selbst zur Befriedigung, der Allgemeinheit zum Nutzen. Doch siehe, ihre Berufsbildung wie ihre Berufsthätigkeit steht im Banne einer engbegrenzten, oft schablonenhaften Brotfrohn. Und wenn die Frau trotzdem durch das berufliche Wirken für ihre Entwickelung und ihr Ausleben als Mensch gewinnt, so geht ihr doch andererseits sehr oft ein großer Theil ihres Lebensinhalts als Weib verloren. Schafft sie für den Erwerb, so bleibt nur wenig Zeit und Kraft für das Ausleben als Weib übrig. Mutter und Gattin vermag sie gleichsam nur »im Nebenamt«, nur in dem Umfange zu sein, als der Beruf es gestattet.

Seichte Frauenrechtelei meint freilich, daß die Frau gleichzeitig den Berufspflichten und den Familienpflichten voll genügen könne. Im Allgemeinen trifft das nicht zu, es sei denn, daß die Frau die Berufsarbeit als eine modische Form des geschäftigen Müßiggangs auffaßt und das Muttersein als einen unliebsamen Zufall, vielleicht gar als einen verhaßten Unfall. Gewiß ist die frauenrechtlerische Behauptung richtig, daß die wirthschaftstechnische Revolution der Frau die frühere produktive Thätigkeit im Hause entrissen hat. Aber Hand in Hand mit der dadurch bedingten Einengung ihres wirthschaftlichen Arbeitsfeldes in der Familie geht eine Erweiterung und Vertiefung ihres geistigen und sittlichen Wirkungs- und Pflichtkreises daselbst. Der moderne Mensch sucht in der Liebe, in dem Ehe- und Familienleben einen höheren, vielseitigeren und reicheren Inhalt als seine Voreltern. Soll die Frau den höheren Aufgaben als Gattin und Mutter genügen, so muß sie nicht nur eine starke, harmonisch entwickelte Persönlichkeit sein, ihr Ich muß vielmehr auch die Möglichkeit haben, sich in der Familie ausleben zu können. Die Frau, die heute als Erwerbende den besten Theil ihrer Kraft und Zeit der Berufsarbeit widmen muß, kann im Allgemeinen den Kindern und dem Manne nicht geben, was ihnen gebührt. In schmerzensreichen Konflikten muß sie tagtäglich eine Antwort auf die Frage suchen: Was schulde ich der Familie, was dem Berufe, der Welt? Und mag sie sich Geist und Gemüth blutig ringen in dem Streben nach einem Ausgleich, nach einem harmonischen Mit- und Nebeneinander ihrer Pflichten: nur zu oft muß sie sich dem harten Gebote des Entweder — Oder fügen, und wenn es ist, als ob ein Schwert durch ihre Seele dränge. Bald kann nicht der Mensch, bald nicht das Weib in ihr zu seinem Recht und seiner Pflicht gelangen. Statt als reichere Persönlichkeit den Ihrigen aus der Fülle vollen Menschenthums reicher spenden zu können, ist so die Frau oft gezwungen, ihnen von dem Nothwendigsten nehmen zu müssen. Auch betreffs der Lösung dieser tiefsten aller Konflikte erweist die bürgerliche Frauenrechtelei ihren Bankerott und muß der sozialistischen Gesellschaft die Rolle der Befreierin der Frau überlassen.

Es ist begreiflich, daß in der Folge die Studenten und Studirten vor der Forderung zurückschrecken: der Frau einen Wirkungskreis in der Welt! Je mehr gerade der Künstler, der Gelehrte sich zur modernen, leichtvibrirenden, vieltönigen, komplizirten Persönlichkeit entwickelt hat, je größer und zahlreicher die Schranken sind, die sich dem Ausleben seiner Individualität in der Gesellschaft entgegenstellen: um so tiefer und sehnsüchtiger ist sein Bedürfniß nach einem Heim, in dem sein Ich freiesten Spielraum findet, in dem er ganz er selbst sein kann, jedoch nicht in dem dornenreichen Stolz des Einsamen, sondern in der innigsten idealsten Gemeinsamkeit mit Weib und Kind. Ein solches Heim vermag allerdings die Frau als nur dienende, gehorsame Magd, als Sorgerin für nur äußerliche Ordnung und Bequemlichkeit, nicht aufzubauen. Aber auch die heutige Berufstäthige vermag das in der Regel nicht, sie, die durch eherne ökonomische Gesetze, durch fremde Ausbeutung oder die tolle Wettjagd um Erfolg und Brot gezwungen ist, ihre ganze Person, ihr lebendiges Menschenthum der Berufsarbeit unterzuordnen.

Trotz allem kann es sich für die Akademiker nicht darum handeln, der geschichtlichen Entwickelung ein Rückwärts zuzurufen und die Frau in die alte Enge und Unfreiheit zurückbannen zu wollen. Ihr Interesse heischt vielmehr, durch kräftige Förderung des Vorwärts dazu beizutragen, daß die Leiden der Uebergangszeit aus dem Alten in das Neue eher verschwinden. Dem Wind und Meer des geschichtlichen Werdens läßt sich nicht gebieten. Auch bezüglich der Frauenfrage und ihrer komplizirten Probleme liegt das Heil nicht in der sozialen Reaktion, sondern in der sozialen Revolution. Nicht die Frauenrechtelei, nur die Umwandlung der Gesellschaft aus einer kapitalistischen in eine sozialistische löst die Konflikte, welche unter der Herrschaft des Kapitalismus durch die Verwirklichung der geschichtlich bedingten Ziele der Frauenbewegung geschaffen werden. Wie mit dem Privateigenthum und der kapitalistischen Ausbeutung der wirthschaftliche Gegensatz verschwindet zwischen Frauen- und Männerarbeit, so bricht mit Privateigenthum und kapitalistischer Ausbeutung auch der Gegensatz zwischen Berufspflichten und Familienpflichten der Frau in sich zusammen.

Wenn mit der Aufhebung des Privateigenthums an den Produktionsmitteln die Gesellschaft den Warencharakter verliert; der kapitalistische Profit nicht mehr als Polarstern voranleuchtet; die Konkurrenz um Brod und Macht nicht mehr den Kampf aller wider alle entfesselt: ist die berufstätige Frau nicht länger die wirthschaftliche Konkurrentin des Mannes, sie wird seine Mitarbeiterin, seine Gefährtin im Streben und Wirken. Es schwindet das Interesse des Einzelnen und einer ganzen Klasse, die Frauenarbeit in Konkurrenz gegen die Männerarbeit auszuspielen. Es schwindet aber auch das wirthschaftliche und soziale Interesse der Männerwelt, dem weiblichen Geschlecht eine Berufsthätigkeit vorzuenthalten. Siegreich fordert dagegen das Interesse der Gesamtheit die freie, volle Entwickelung aller Fähigkeiten, die Betätigung aller Gesellschaftsglieder auf den Gebieten, auf welche Begabung und Neigung verweisen. Nun tritt die Gleichheit aller in ihr Recht. Nicht etwa die Gleichheit des Zwangs- und Zuchthausstaates, welche die Individualität tödtet. Diese Gleichheit haben wir heute. Nein, die Gleichheit, welche der Individualität das: »Lebe und wirke!« zuruft, die wirthschaftliche Gleichheit der Entwickelungsmöglichkeit für alle. Nun kann sich die weibliche Begabung, ungehindert durch soziale Einflüsse ihrer Eigenart entsprechend, ungekünstelt und unverkünstelt, frei entfalten, frei bethätigen, ohne daß die Schwester durch ihr Wirken die Existenz des Bruders gefährdet. Nicht mehr die Schmälerung und Unsicherheit des Brotes schreitet dran für den Mann im Gefolge der Frauenarbeit einher, viel mehr eine Erleichterung seiner Lasten und Mühen, damit aber größere Freiheit eines vielseitigeren Auslebens seiner Persönlichkeit. Erschließt die Berufsthätigkeit der Frau die Welt, so giebt sie dem Manne das Heim zurück. Denn wenn die Frau auf allen Gebieten menschlichen Schaffens als Mitarbeitende neben dem Manne steht, so gewinnt dieser Zeit und Kraft, als Mitarbeitender beim Ausbau des Heims und der Erziehung der Kinder neben der Frau zu wirken. Bereicherung und Vertiefung der Persönlichkeit der Frau und ihres Lebensinhalts; Entlastung des Mannes und die Möglichkeit vielseitigeren Auslebens für ihn; höhere, harmonischere Gestaltung des Familienlebens; Mehrung des materiellen und kulturellen Besitzes der Gesamtheit das sind Errungenschaften, die in der sozialistischen Gesellschaft mit der Berufsthätigkeit des weiblichen Geschlechts auf allen Gebieten verknüpft sind.

Nur die sozialistische Gesellschaft hebt auch den Gegensatz auf zwischen Berufspflichten und Familienpflichten, die Quelle schwerster Konflikte für die Frau in unseren Tagen. Herrscht das todte Kapital nicht mehr über den lebendigen Menschen, schlägt der Besitz nicht länger gleichsam die Person todt; steht das Wirthschaftsleben der Gesellschaft nicht mehr im Zeichen der Ausbeutung und Konkurrenz, so daß der Kampf ums Dasein in ungezügelter Wildheit einherbraust, der Einzelne nur emporzusteigen vermag über die Leiber Tausender, die im brutalen Ringen zu den getreten werden: so saugt auch die Berufsarbeit nicht länger den ganzen Menschen, den besten Theil des Menschen auf. In der sozialistischen Gesellschaft kann mithin die Frau berufsthätig sein, ohne ihr Ausleben als Weib, ohne die Familienpflichten opfern zu müssen. Andererseits schaltet und waltet sie im Heim, ohne dadurch der sozialen Herrschaft des Mannes unterworfen zu werden. Mit der Aufhebung des Einzelhaushalts als einer produzirenden Einheit wird die Familie zu einem rein sittlichen Ganzen, das auf der Gleichberechtigung von Frau und Mann beruht. Das häusliche Thun der Frau trägt nun nicht mehr das Gepräge unfreier Arbeit im Dienste des Mannes, es wird als freie gesellschaftliche Thätigkeit gewertet. Die Berufsarbeit und das Wirken der Frau in der Familie schließen sich zum harmonischen Ganzen zusammen, sicherlich auch in der sozialistischen Gesellschaft nicht ohne heißes Ringen und Kämpfen der Frau um Klarheit über die Grenze ihrer Bethätigung in Heim und Welt. Aber ohne daß diese Kämpfe unter dem Zwange äußerer Notwendigkeiten stattfinden und durch sie entschieden werden. Sie bleiben rein sittliche Konflikte, welche die Frau in sittlicher Reife und Freiheit durchringt.

Nun erst ist die soziale Möglichkeit vorhanden, daß Menschenthum und Weibthum der Frau sich in schöner Harmonie entwickeln und ausleben. Das Ausleben als Weib vernichtet nicht das Menschliche, sondern bewährt vor einer oberflächlichen und verschrobenen Kopie des Männlichen. Und das Emporblühen des Menschlichen ertödtet nicht das Weibliche, drängt vielmehr nur das Weibische zurück. Als Bürgerin giebt die Frau der Gesellschaft, was der Gesellschaft ist, als Gattin und Mutter aber auch der Familie, was der Familie ist. Ihren Werth als Persönlichkeit, die Bedeutung ihrer Leistungen für die Gesamtheit bemißt sie nicht in frauenrechtlerischer Einseitigkeit nach der Zahl der von ihr geschriebenen guten und schlechten Romane und den Noten der bestandenen Examina. Die Knebelung des Weiblichen, Ehe- und Kinderlosigkeit erscheint ihr nicht – in frauenrechtlerischer Umwerthung der Noth zur Tugend — als Vorbedingung für die höchste Entfaltung des Menschlichen. Gattin und Mutter will die neue Frau sein, aber Gattin und Mutter in der höchsten Bedeutung des Wortes. Nicht als verkrüppeltes Geschöpf, dessen Entwickelung auf ein Prokrustesbett gespannt ist, vielmehr als freier, starker Vollmensch.

Welch ein Widerspruch heutzutage! Man erklärt den Beruf der Gattin für hehr und heilig und erachtet ihn für erfüllt, wenn die Frau die formvollendete Repräsentantin des Hauses ist, wohl gar eine Art schönes Luxusmöbel; im günstigeren Falle die gehorsame Magd, die treu besorgte Pflegerin und Hauswirthin. Die Frau ist »begehrlich« geworden. Sie will nicht unter dem Manne dienen, sondern neben ihm, mit ihm vorwärts schreiten, hohen Zielen entgegen. Sie verlangt danach, die überzeugte Trägerin und Hegerin seiner Ideale zu werden, die Genossin seiner Mühen und Plagen, die Gefährtin seiner Kämpfe. Sie beansprucht in seiner Welt heimisch zu werden und ihm im Heim eine Welt zu erschließen.

Welch schreiende Unlogik! Den Beruf der Mutter feiert man als den höchsten und schwierigsten aller Berufe. Aber reif und würdig für die Erfüllung dieses Berufs soll jedes Gänschen sein, das gestern mit der Puppe spielte und heute seine »ewig weiblichen« Reize auf dem Markte des Balles ausbietet. Reif und würdig für den Beruf, Menschen zu bilden! Drängt sich gegenüber solcher Unlogik nicht das Sprüchlein auf die Lippen: »Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein wohl viel mehr.« Die Frau ist »begehrlich« geworden. Sie will nicht blos die treue Wärterin und Hüterin des Kindes sein, sie setzt ihren Stolz darin, die Bildnerin des Menschenlebens zu werden, das sich aus ihrem Schoße ringt. Zur klaren, starken, freien, in sich gefestigten Individualität trachtet sie sich durchzukämpfen, damit sie den Keim zum Vollmenschenthum, das Streben nach Vollmenschenthum als köstlichstes Gut auf ihre Kinder überträgt. Als kraftvolle Persönlichkeit will sie lernend, wirkend, genießend in der Welt und im Hause stehen, um ihre Kinder zu starken Persönlichkeiten von ungebrochener Eigenart zu erziehen, aber auch zu weitblickenden, weitherzigen Gesellschaftsbürgern. Die Kultur ihrer Zeit soll in ihren Pulsen klopfen, in ihrem Blute kreisen, damit sie eine lebendige Kraft im Leben ihrer Kinder bleibe, statt zur Reminiszenz zu werden an die Tage der kindlichen Hilflosigkeit und sorgenden Muttertreue. Heraus deshalb mit der Frau aus der Beschränktheit des Nichts-als-Hauswirthschaft! Die Pfade frei, auf denen das weibliche Geschlecht zu den Bildungsquellen wandern kann! Die Frau will ihr Vollmenschenthum erringen, denn sie will als Mutter von prometheus'schem Geist erfüllt, stolz der Welt entgegenschleudern können: »Hier sitze ich und forme Menschen nach meinem Bilde, ein Geschlecht, das mir gleich sei.« Ein Geschlecht von Freien und Starken, fähig »zu leiden und zu freuen sich«; ein Geschlecht von Sehnsüchtigen und Kämpfern, denen der Himmel nicht zu hoch, die Hölle nicht zu tief, die Welt nicht zu weit dünkt für menschliches Erfassen; ein Geschlecht, das in stetem Ringen vorwärts und aufwärts stürmt, das über den Besitz einer alten Wahrheit das Suchen nach einer neuen Wahrheit stellt. Die heutige Gesellschaft vorenthält der Frau das Vollmenschenthum, das sie um ihrer selbst willen, um der Ihrigen willen begehren muß. Die Frau, die zum Persönlichkeitsbewußtsein erwacht ist und die sozialen Verhältnisse klar überschaut, muß deshalb der vom geschichtlichen Werden vorbereiteten sozialistischen Gesellschaft sehnsüchtig entgegenrufen: »Dein Reich komme!« Und sie sehnt sich nicht nur nach diesem Reich, sie kämpft für dieses Reich.

Diese Sehnsucht zu theilen, diesen Kampf mitzukämpfen, liegt mit Rücksicht auf die Lösung der Frauenfrage im höheren Interesse der Studenten und Studirenden. Die Entwickelung der Frau zu einer starken, freien Individualität wird mehr und mehr zu einer unerläßlichen Vorbedingung für Liebe und Ehe. Die Geschlechtsliebe der modernen Menschen unterscheidet sich wesentlich von der Geschlechtsliebe unserer Voreltern. Sie ist von einem mehr generellen zu einem individuellen Gefühl geworden. Immer einflußreicher wird deshalb für volles Liebesglück neben der physischen Anziehung die geistig-sittliche Eigenart von Frau und Mann. In den alten Zeiten fanden sich die Menschen damit ab, daß die Ehe in der Hauptsache eine wirthschaftliche Einheit war. Nicht die Befriedigung des Liebesbedürfnisses suchten die Gatten an erster Stelle in ihr, sondern die Erreichung bestimmter wirthschaftlicher Zwecke, denen sich ihre Person unterordnete. »Die Liebe kam mit der Ehe.« Die ökonomische Entwickelung schlägt die Ehe als Wirthschaftsganzes in Trümmer, und die moderne Persönlichkeit sehnt sich danach, die Ehe zu einer sittlichen Einheit zu gestalten. Sie leidet darunter, daß die individuelle Liebe vielfach nur neben der Ehe und im Gegensatz zu ihr besteht, sie beansprucht, daß Ehe und Liebe zusammenfallen. Die Liebe soll nun der Ehe vorausgehen. Die reichere geistig-sittliche Differenzierung der Persönlichkeit schafft für den modernen Menschen, der in der Ehe nach individueller Liebe verlangt, eine Fülle feinster, unwägbarer und unfaßbarer Momente, welche die Lebensgemeinschaft je nachdem zu einer Quelle tiefsten, edelsten Glücks oder auch zur unerträglichen Hölle gestalten können; welche sie zum Ausgangspunkt der größten Erhebung, Vertiefung und Bereicherung der Persönlichkeit machen, oder aber zum Ausgangspunkte ihrer tiefsten Erniedrigung und Verkümmerung.

Der Künstler, der Gelehrte muß kraft seiner reich entwickelten Individualität den Einfluß dieser Momente besonders stark und nachhaltig empfinden. Er stellt vielseitigere, tiefere und feinere Ansprüche an den geistig-sittlichen Gehalt der Ehe, er findet in ihr höheres Glück und schmerzlicheres Leid als die weniger differenzirte Persönlichkeit. Zahlen beweisen das. Nach einer Statistik der Ehescheidungen aus den 50er Jahren und für das Königreich Sachsen, die sich in von Oettingers Moralstatistik findet, kam der höchste Prozentsatz der Ehescheidungsanträge auf die Kreise der Gelehrten und Künstler. Auf je 100000 Ehen in den betreffenden Schichten entfielen 445 Anträge auf Scheidung oder je eine Klage auf 206 Ehen, auf je 100000 Ehen von Dienstboten dagegen nur 289 Scheidungsanträge oder je eine Klage auf 346 Ehen. Ich übersehe die mancherlei sozialen Verhältnisse nicht, die gerade in der Welt der Künstler und Gelehrten von Einfluß auf die hohe Zahl der Ehescheidungen sind. Aber sie in Anrechnung gebracht bleibt doch noch eine erhebliche Summe von ehezerrüttenden Umständen zurück, welche in der Eigenart der verbundenen Persönlichkeiten wurzeln. Hunderte von Ehen künstlerisch und wissenschaftlich gebildeter können keinen guten Klang geben, weil die Individualität sich nicht zur Individualität gefunden hat.

Der banale Sittlichkeitsphilister ist entsetzt ob der Höhe der Ehescheidungen. Auch der Unbefangene erschrickt, wenn er die Ziffern der Ehescheidungsstatistik überblickt, aber nicht, weil diese Ziffern ihm zu hoch, sondern weil sie ihm zu niedrig dünken. Die Ehescheidung ist ihm nicht ein Anzeichen der steigenden »Unsittlichkeit«. Sie ist ihm vielmehr der Ausdruck der höchst sittlichen Rebellion der modernen Persönlichkeit gegen die Unterordnung ihres lebendigen Menschenthums unter todte Sachbeziehungen. Sie ist ein Auflehnen der sich bewußten Individualität gegen den Schmutz der bürgerlichen Kauf- und Schacherehe, deren Inhalt in Tausenden von Fallen die drei Worte erschöpfen: Prostitution, Brutalität, Heuchelei. Weder Priestergebet noch standesamtliche Formel vermag eben, der Ehe sittlicher Kraft das Werde zuzurufen, diese muß aus der Wahlverwandtschaft der Persönlichkeiten erwachsen. Wo diese Wahlverwandtschaft fehlt, da welkt und verkümmert in der Langeweile des gewohnheitsgemäßen Neben einander die geistig-sittliche Eigenart von Mann wie Frau. Gerade an dem geistig hochstehenden Manne rächt sich in der Ehe die Rückständigkeit des weiblichen Geschlechts. Die Unebenbürtigkeit der Gattin wird zum Hinderniß seiner eigenen Entwickelung und lähmt den Schwung seines Strebens und Wirkens. Wer von uns hat nicht einen lieben Freund, der sonnensehnsüchtig, mit Adlerflug sich zu den höchsten Höhen emporschwingen wollte. Doch siehe, er paarte sich mit einer Gans, und nach kurzer Mauserung stand der stolze Vogel als simpler Gänserich da, der nicht über den heimischen Hof hinausstrebte und sich an der stillen Stoppelweide genügen ließ. Aus dem Vorwärtsdränger wird ein Stillstehender, bald ein Rückwärtsschreitender. Für seine Persönlichkeit wird das Fazit der Ehe durch die vernichtende Kritik gegeben, die der geistvollste Philosoph des Großkapitals, die der Dichter-Philosoph Nietzsche an der Lebensgemeinschaft der »Viel zu Vielen« übt: »Ach, diese Armuth der Seele zu Zweien! Ach, dieser Schmutz der Seele zu Zweien! Ach, dies erbärmliche Befragen zu Zweien!« Wo der Frau die Kraft mangelt, mit dem Manne emporzusteigen, da gleitet in der Regel der Mann zur Frau in die Niedrigkeit und Alltäglichkeit hinab. Vernichtung und Verkümmerung des besten Theils seiner Eigenart als Folge des zweisamen Lebens, statt Aufstieg zur höheren Entfaltung! Denn von der Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und Ehe gilt für den Mann sowohl wie für die Frau die anklagende Entschuldigung, die Zarathustra der Ehebrecherin in den Mund legt: »Wohl brach ich die Ehe, doch erst brach die Ehe mich.« Wenn der modernen Persönlichkeit nicht ihr Recht geworden ist auf das Zusammenklingen zum gemeinsamen Wollen des Empor, so ist der Boden für die Zerrüttung der Ehe vorbereitet. In Herz und Hirn regt sich dann stündlich die vom Nazarener gekennzeichnete Gedankensünde des Begehrens nach einer anderen Frau, nach einem anderen Mann, jene Gedankensünde, die unter Umständen vergiftender auf das Familienleben einwirkt, als die in momentaner Aufwallung des Blutes begangene grobe Thatsünde.

Die Ehe als innerlich festgefügte sittliche Einheit hat die starke, freie Individualität von Frau und Mann zur Voraussetzung. Nur zwischen ebenbürtigen Starken und Freien blüht volles Liebesglück empor. Mit wunderbarer Klarheit erkannte das der Genialsten einer, ein Gewaltiger im Reiche der Kunst. Richard Wagner sagt: »Nur die Liebe des Starken zum Starken ist Liebe. Die Liebe des Schwachen zum Starken ist Furcht und Demuth; die Liebe des Starken zum Schwachen ist Milde und Nachsicht. Nur die Liebe des Starken zum Starken ist Liebe, nämlich die freie Hingabe an den, der uns nicht zu zwingen vermag.« (Kunst und Revolution.) Nur wenn zwei starke, freie Persönlichkeiten sich in Liebe finden, wird die Ehe, um mit Nietzsche zu reden, »zu dem Willen zu Zweien, das Eine zu schaffen, das mehr ist, als die es schufen«, wird sie zu der idealen Lebens- und Strebensgemeinschaft, welche die Einzelpersönlichkeit im wechselseitigen Geben und Empfangen gleichsam über sich selbst hinaushebt und ihr mit dem höchsten Glück die höchste Kraft zu schaffen und zu leisten verleiht. Es grüße deshalb der Bürger im Reiche der Wissenschaft und der Kunst die soziale Revolution, welche die gesellschaftlichen Vorbedingungen für weibliches Vollmenschenthum schafft! Sie stellt ihm die mitarbeitende, die ebenbürtige Gefährtin zur Seite.

Doch noch mehr. Die soziale Revolution ermöglicht auch Gelehrten und Künstlern selbst erst, zu freiem, starkem Vollmenschenthum emporzusteigen. Welch’ enge Schranken zieht nicht die heutige Gesellschaft der Entwickelung und dem Ausleben ihrer Individualität! Und müssen nicht gerade sie diese Schranken besonders schmerzlich empfinden? Aechzt nicht ihr Menschenthum, ihr künstlerisches und wissenschaftliches Sehnen unter dem Druck der Ketten, welche die Hirnarbeit wie die Handarbeit trägt, weil die Kunst, weil die Wissenschaft wie die Handarbeit nach Brot gehen muß?

Nach vielen Tausenden zählen die jungen Leute, die Männer, die auf wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiet in faustischem Drange mit gier’ger Hand nach gold’nen Schätzen graben, und die schließlich froh sind, froh sein müssen, wenn sie die Regenwürmer einer einträglichen Stellung oder einer Versorgungsehe finden. Nur den wenigsten ist es vergönnt, ihren Idealen gemäß, ihrer Sehnsucht entsprechend, thatsächlich der Wissenschaft und Kunst in Freiheit zu dienen. In der Gesellschaft der Waarenproduktion ist Waare geworden, was die Wissenschaft findet, was die Kunst schafft. Und wie Baumwollstoffe und Kaffee, so muß die wissenschaftliche und künstlerische Waare ihren Markt suchen, einen Markt, der im großen Ganzen beherrscht ist von der Unbildung, der Geschmacklosigkeit und Zerstreuungssucht des zahlungsfähigen Pöbels, von den Geldbeutelinteressen und Machtgelüsten der besitzenden und herrschenden Klassen. Welches Loos fallt den meisten Idealisten, die stolz die Rücksicht auf »die Konjunktur des Marktes« verschmähen, weil sie in Kunst und Wissenschaft die hohe, die himmlische Göttin erblicken und nicht die milkende Kuh, die uns mit Butter versorgt? Sie erfahren das vae victis, und über ihre Talente, über ihr glühendes Sehnen und Wollen stampft der Troß der Modekünstler und Talmiwissenschaftler hinweg, dem billigen Erfolge nach, dem Gelde, der sozialen Position entgegen. Und welchen Gewinnst heimsen für ihre Persönlichkeit die ein, die weltklug die Ideale dem Karrieremachen opfern? Die Versklavung ihrer Person durch die Berufstätigkeit. Der drängende Haufen derer, die, wie sie, Kunst und Wissenschaft als Tauschwerte gegen Geld und Einfluß ausmünzen wollen, ausmünzen müssen, peitscht zum fieberhaften, den ganzen Menschen aufsaugen den und verzehrenden Wirken.

Kein freies, fröhliches, fruchtbares Forschen und Schaffen, ein freundloses Alltags-Vorwärtshasten in den ausgetretenen Geleisen der handwerksmäßigen Schablone oder auf der Heerstraße der billigen Tageserfolge. Die Tagesfrohn raubt die Möglichkeit tieferer wissenschaftlicher und künstlerischer Entwickelung, sie ertödtet zuletzt den Dang nach ihr; sie setzt die Fälschung von Kulturwerthen an Stelle der Mehrung von Kulturgütern. Der Gelehrte, der Künstler, geht in dem betriebsamen Industriellen und Händler auf wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiete unter. Nur dürftige Reste der Persönlichkeit bleiben für den Gatten und Vater übrig, der die Unrast der Erwerbsjagd, der Berufssklaverei in das Heim hineinträgt. Es verkrüppelt der Staatsbürger zum gehorsamen Unterthan, der in der Enge der Studirstube, des Bureaus oder Ateliers keinen Hauch des geschichtlichen Werdens verspürt, der währt, der Gang der Weltgeschichte regle sich nach dem Tritt eines Kürassierstiefels. Solange das Kapital die Arbeit unterjocht hält, drückt die Berufsthätigkeit, und nicht das Menschenthum der Persönlichkeit das charakteristische Gepräge auf. Als Berufstypus fällt der Professor, der Lehrer, der Beamte etc. meist zuerst in die Augen und nicht als freie, starke Individualität.

Ein Unfreier, muß der Gelehrte und Künstler dem Erwerb leben, ein Unfreier soll er der Macht dienen. Wie denn ist es in den Zeitläuften der von Herrn von Posadowsky eigens entdeckten »vollendetsten Rechtsgarantien« um die Freiheit der Wissenschaft und Kunst bestellt? Der höhere Staatsbeamte, der, von sozialpolitischer Erkenntniß geleitet, einer noch so schwächlichen Sozialreform das Wort redet, er muß erwarten, nach dem Muster des Herrn von Berlepsch »aus Gesundheitsrücksichten« lucanisirt zu werden. Der Mann der Wissenschaft, der mit dem wohlerzogenen Sinn eines deutschen Professors, zahme, maßvollste Kritik an schmachvollen Zuständen übt, er wird wegen »Verletzung der Form« gedelbrückt. Und gegen den Gelehrten, der sich als Staatbürger den Luxus einer eigenen, staatlich nicht approbirten Meinung gestattet, wird eine lex Arons fabrizirt. Gerhart Hauptmann, der den Sehnsuchtsschrei einer Klasse nach Brot und Freiheit in ein echtes Kunstwerk gefaßt hat, wird des Schillerpreises für unwürdig erachtet. Die Hofloge wird dem Theater gekündigt, das seine Weber aufführt. Dagegen strahlt die Sonne höfischer Gunst dem Artilleriehauptmann Lauff ob seines Burggrafendramas, eines künstlerischen Scheuels und Greuels, des zu erwähnen man sich entschuldigen muß, wenn man von Litteratur spricht. Ein Knackfuß erntet für seine geist- und geschmacklose Allegorie Vortheil und Ehren. Käthe Kollwitz wird für ihre Radierungen von der Jury der Großen Berliner Kunstausstellung für die silberne Medaille vorgeschlagen. Dem Vorschlag wird die Allerhöchste Bestätigung versagt, weil die Radirungen den Weberaufstand darstellen. Und Thomas Theodor Heine, der geistreichste und künstlerisch bedeutendste deutsche Karikaturist unserer Zeit, wandert wegen Majestätsbeleidigung auf 6 Monate ins Gefängniß.

Rings um uns beweist der Thatsachen Fülle, daß in der kapitalistischen Gesellschaft die Freiheit der Kunst und Wissenschaft leerer Wahn ist; die Freiheit der Persönlichkeit leerer Wahn ist. Wie der Mann mit der schwieligen Faust, so kann auch der Gelehrte und Künstler erst durch den Triumph des Sozialismus Vollmenschenthum erringen. Treffend sagt Richard Wagner: »Der Zweck der geschichtlichen Entwickelung ist der starke Mensch, ist der schöne Mensch: die Revolution gebe ihm die Stärke, die Kunst die Schönheit.« Klar erkannte der unsterbliche Meister, daß das Wirken auf geistigem Gebiete den Charakter der Erwerbsarbeit, der Brotfrohn verlieren muß, damit Kunst und Wissenschaft frei werden, damit die Persönlichkeit Freiheit und Kraft gewinne, ihren Flug zu den sonnigen Höhen des Vollmenschenthum zu nehmen. »Laßt uns aufsteigen«, so ruft er aus, »von dem Elend des Handwerkerthums mit seiner bleichen Geldseele ..... zu dem freien, künstlerischen Menschenthum mit seiner strahlenden Weltseele; aus mühselig beladenen Tagelöhnern der Industrie wollen wir Alle zu schönen, starken Menschen werden, denen die Welt gehört, als ein ewig unversiegbarer Quell des höchsten Genusses.« Seine Abhandlung: Kunst und Revolution bleibt das klassische Zeugniß eines Auserwählten für die unlöslichen sozialen Zusammenhänge zwischen der Kultur und den wirthschaftlichen Verhältnissen der Gesellschaft. Mit der Intuition des künstlerischen Genies erfaßte Wagner, daß das Emporblühen der Gesellschaft zu höchster Kultur eine Voraussetzung hat: die soziale Revolution, welche die wirthschaftliche Ausbeutung und Unfreiheit der arbeitenden Masse aufhebt und damit jeder Einzelpersönlichkeit freieste Entfaltung ihrer Eigenart, höchste Kultur und höchstes Glück verbürgt. Denn »sobald in einem Volke alle Menschen nicht gleich frei und gleich glücklich sein können, müssen alle Menschen gleich Sklaven und gleich elend sein«.

In der Antike war die Sklaverei der breiten arbeitenden Massen eine Vorbedingung für den geistigen Aufstieg der herrschenden Minderheit, für das Aufblühen einer höheren Kultur. Nicht so in unserer Zeit. Erfüllt ist die Bedingung, von der Aristoteles die Aufhebung der Sklaverei abhängig machte. Die Weberschiffchen fliegen von selbst rastlos hin und her, es bewegen sich eilig die Mühlsteine, ohne daß Sklavenhand an sie rührt. Die wirthschaftstechnischen Fortschritte der kapitalistischen Ordnung haben der Gesellschaft Sklaven von Eisen und Stahl gegeben. Die Expropriation der Expropriateure durch das zur politischen Macht gelangte Proletariat verwandelt die eisernen und stählernen Sklaven aus Werkzeugen zur Ausbeutung und Verknechtung der Massen in der Hand Einzelner zu dienern der Gesammtheit. Nun machen die todten Sklaven der modernen Zeit die Sklaverei des lebendigen Menschenthums überflüssig, und auf der Freiheit Aller baut sich die sozialistische Gesellschaft auf, die Gesellschaft des Neuhellenismus.

Eine Gesellschaft von Gleichen, von Freien und Starken. Kunst und Wissenschaft Gemeingut Aller. Die Wissenschaft nicht mehr eingeengt durch »Urväter Hausrath dreingepfropft«. Die Kunst nicht eine flüchtige Tändelei für Müßiggänger, nicht das Narkotikum des Weltflüchtigen, müden Neu-Idealismus und Neu-Mystifizismus, eine Kunst vielmehr, die ihre Kraft schöpft aus dem lebendigen Born des Menschenschicksals, des Volkslebens, der Natur, und die der höchste Ausdruck der Schöpfungskraft eines Volkes ist. Für Jeden die Möglichkeit, ein Wissender und eine künstlerische Persönlichkeit zu werden. Gewiß nicht Jeder ein wissenschaftlich Leistender, aber Jeder ein lernender und begreifender. Sicher nicht Jeder ein künstlerisch Schöpfender, aber Jeder ein künstlerisch Genießender. Nun erst kann die Kunst emporsprossen, welche der Aesthetiker Vischer über alle Künste stellt: die schöne Lebenskunst. Die Persönlichkeit des Einzelnen ein harmonisches, schönes Ganze, das Leben des Einzelnen ein Kunstwerk.

Die Luft ist in unseren Tagen schwer von der Sehnsucht Derer, die sich aus der Enge und der Verkümmerung zum Vollmenschenthum erheben möchten. Der Boden ist bedeckt mit Keimen, die sich in Wärme und Sonnenschein herrlich entfalten könnten, und die die Noth nun umbarmherzig zertritt. In Millionen von Seelen, die bis vor Kurzem ihre Freiheit nicht zu denken wagten, raunt und rauscht der Wille nach Erlösung. Als vornehmster Vorkämpfer aber für das Vollmenschenthum steht das klasenbewußte Proletariat auf der Bühne der Geschichte. Denn die von ihm getragene sozialistische Bewegung bedeutet mehr als den Kampf der schwieligen Faust, die Brot zur Erfüllung des Magens heischt. Sie ist die Rebellion des lebendigen Menschenthums gegen seine Unterjochung durch den todten besitz, sie ist der stärkste, machtvollste soziale Ausdruck des Ringens der Persönlichkeit nach Freiheit der Entwickelung und des Auslebens. Vollmenschenthum für alle ist das Allerheiliogste, das das kämpfende Proletariat in seinen politischen und wirthschaftlichen Schlachten in einfacher Bundeslade mit sich führt, und dem es erst nach den 40 Jahren seines Marsches durch die Wüste des Kapitalismus in der sozialistischen Gesellschaft einen würdigen Tempel zu erbauen vermag.

In einer Zeit, in der großen Zeit, wo es die Würde und Freiheit der Persönlichkeit zuerobern gilt, hat die Welt der Akademiker wahrlich eine andere Aufgabe zu erfüllen, als die ihr von der Bois-Reymond zugewiesene: eine wissenschaftliche Leibgarde der Hohenzollern zu sein. Sie sollte der Freiheit eine Gasse brechen, durch welche in siegreicher Kraft und Schöne der Vollmensch schreitet. Dem sozialen Ringen unserer Zeit müßte der Schüler der Universitäten und Akademien als gewissenhaft und unbefangen Lernender gegenüberstehen; der Gelehrte und Künstler müßte als Kämpfender in Reih und Glied neben dem Mann der Arbeit fechten.

Keine Illusion! Der Kämpfer muß sein beginnen mit harten Opfern bezahlen. »Der Dienst der Freiheit ist ein schwerer Dienst; er trägt nicht Gold, nicht Fürstengunst.« Er trägt dafür anderes: die spitzesten Dornen; ein Verzichten auf liebe Gewohnheiten, eine Hinopferung der theuersten Neigungen, den Bruch alter Freundschaften, vielleicht das verlasen von Vater und Mutter, die Entzweiung mit Brüdern und Schwestern. Ein Einsamer und Unbegriffener steht der »Ueberläufer« aus bürgerlicher Welt vielfach inmitten der Kampfesgenossen; fremd und daheim zugleich im Thal der besitzenden Welt, mit der ihn Erziehung und Lebensgewohnheit verknüpfen; fremd und daheim zugleich auf den Höhen des Proletariats, dem ihn die Ueberzeugung in fester Gemeinschaft zugesellt. Aber trotz alledem ist der Kampf den Einsatz werth. Es ist eine Lust zu kämpfen, es ist eine Lust zu leben, denn die Geister sind erwacht; die im Schatten stehen, drängen zur Sonne, die am Boden dahinkrüppeln, streben empor, die Gegenwartssklaven werden Kämpfer, denn sie wollen Freie sein! Deshalb trotz aller Opfer kein Zagen und Entsagen, vielmehr ein Wagen und ein Schlagen! Wer in der eigenen Brust das mächtige Sehnen nach dem Flügelschlag der freien Seele fühlt; wer der Menschheit Odem spürt, »die rastlos nach Befreiung lechzt«: vorwärts in den Kampf für die Befreiung alles dessen, was Menschenantlitz trägt; vorwärts in den Kampf für das Vollmenschenthum von Frau und Mann!



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